Die zu perfekte Iron-Maiden-Geschichte

Die Geschichte tönt schlicht perfekt – zu perfekt: Iron Maiden, seit dem gleichnamigen Debutalbum im Jahr 1980 Aushängeschild des britischen Heavy Metal, macht ausgerechnet mit denjenigen Leuten gut Kasse, die ihre Musik im Internet illegal downloaden. Dies berichtete die IT-Plattform «Citeworld» vor ein paar Tagen – und renommierte Medien wie der «Business Insider» («How Iron Maiden Actually Made Money From People Stealing The Band’s Music») oder der österreichische «Standard» («Wie Iron Maiden ihre schlimmsten Filesharer bekämpft») nahmen die Geschichte dankbar auf.

Und auch ich, Maiden-Fan der ersten Stunde (unvergessen, wie sie einst als Supporting Act in der Basler Joggelihalle die US-Pyromanen Kiss an die Wand spielten), zwitscherte die ehrrührige Botschaft nicht ohne Stolz in die weite Welt hinaus:

Statt gegen die Musikpiraten gerichtlich vorzugehen, habe die Band die Daten von Musicmetric (Statistiken aus Social Media und Filesharing-Portalen) ausgewertet und den Tourplan so angepasst, dass Regionen mit hoher Download-Rate besondere Berücksichtigung gefunden hätten. So der Artikel. Herausgekommen bei der eisernen Analyse sei folglich ein klarer Fokus auf Südamerika.

Doch der kausale Zusammenhang zwischen der Aktivität auf Musik-Tauschbörsen und Tourplänen scheint vielmehr rein zufällig respektive frei erfunden, wie «Citeworld» mittlerweile kleinlaut eingestehen muss. Musicmetric habe nie mit Iron Maiden zusammengearbeitet, heisst es nun im aktualisierten Vorspann des Artikels – und der Autor habe auch keinerlei Bestätigung, dass Bruce Dickinson & Co. diese Daten jemals gesehen hätten.

Schade. Denn die Faktenlage hätte geradezu wie die berühmte Faust aufs Auge gepasst: Da ist die Tatsache, dass Bands heute – nicht zuletzt auch in Zeiten von legalen Musikdiensten wie Spotifiy – kaum noch durch den Verkauf ihrer Kompositionen Geld verdienen, sondern primär über Konzerttickets und Merchandising-Artikel ihre Kassen füllen können. Kommt hinzu, dass Brasilien laut Musicmetric-Statistik  tatsächlich den grössten BitTorrent-Strom für Iron-Maiden-Songs verzeichnet – und zusammen mit Venezuela, Mexiko, Kolumbien und Chile zu den Top-10 punkto Twitter-Follower gehört. Und der im vergangenen Jahr als Tonträger und Film veröffentlichte Konzertmitschnitt «En Vivo!» wurde denn auch im Estadio Nacional in der chilenischen Hauptstadt Santiago aufgezeichnet.

Kommerziell spielen Iron Maiden ohnehin längst in der internationalen Top-Liga: Bei den Konzerten der letzten «Maiden England»-Tour wurden beispielsweise über 57 Millionen Dollar umgesetzt. Und auch Sänger Dickinson sorgt immer wieder für Schlagzeilen in der Wirtschaftspresse: Für die «Somewhere Back in Time World Tour» charterte die Band – «um viele logistische Probleme zu lösen» – erstmals eine Boeing 757, taufte diese nach dem legendären Band-Maskottchen Eddie kurzerhand «Ed Force One» und setzte Dickinson als ausgebildeten Piloten an den Steuerknüppel. Zusammen mit Mario Fulgoni gründete der 55-jährige Brite im vergangenen Jahr «Cardiff Aviation» und ist seither, nebst seinem Job als Metal-Shouter, Co-CEO der walisischen Fluggsellschaft.

Es würde ins Bild des tüchtigen Geschäftsmanns und cleveren Analytikers passen, wenn Dickinson die Geschichte mit der Musikpiraterie im Nachhinein noch bestätigen würde. Sie tönt perfekt.

Iron Maiden Ed Force One 757
«Ed Force One»: Am Steuerknüppel der Boeing 757 sitzt auf den Flügen zu den Auftritten jeweils Sänger, Pilot und Airline-Co-CEO Bruce Dickinson. (Bild: Wikimedia/Creative Commons)

(Vorschaubild Artikel: Iron Maiden in Paris-Bercy / Quelle: Wikimedia/Creative Commons)

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