Die Herde vor dem Spiegel

Im Devisenhandel herrscht Drang zur Grösse – das lässt sich auch am kürzlich erfolgten Zukauf der MIG Bank durch Swissquote feststellen. Deutlich stiller verlief hierzulande eine andere Transaktion: Der US- Devisenhändler Oanda übernahm Ende September das Mirror-Trading-Portal Currensee.

Mirror Trading? Vereinfacht übersetzt: Einer machts vor, die anderen machens nach. Tönt in der Theorie simpel, hat in der Praxis aber Stolpersteine. Der Bereich des Devisen- handels steht exemplarisch für diesen Trend, der dem Begriff «Finance 2.0» zugeschrieben wird. An einer Konferenz Anfang Oktober in Zürich durfte sich mit Ayondo ein Unternehmen präsentieren, das auch im Aktienhandel dadurch verdient, dass Privatanleger sich an die Fersen anderer heften. «Follow your top trader», heisst der Claim – und er findet in einem sehr kitschigen TV-Spot mit dem (natürlich) erfolgreichen «Trader Tom» seinen Höhepunkt.

Kritische Zeitgeister fragen sich: Weshalb verdienen nicht alle mit einem Mausklick viel Geld, wenn es so einfach ist? Und das Mirror Trading ruft Kritiker auf den Plan: «Man gerät rasch an regulatorische Grenzen», liess sich Swissquote-Chef Marc Bürki in der «Handelszeitung» zitieren. Wenn nämlich das Geschäftsmodell zu erfolgreich wird und die Volumen enorm anschwellen, rufe dies unweigerlich den Regulator auf den Plan: «Der könnte Mirror Trading dann plötzlich als Kollektivanlagen taxieren und der Fondsgesetzgebung unterwerfen.»

Ein ganz anderer praktischer Warnhinweis trifft den Nagel viel direkter auf den Kopf: Herdentrieb war an den Finanzmärkten noch nie ein guter Ratgeber!

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